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Sparta’s Angst und Pakistan’s Wunschdenken – Teil III der Sino-Pak Serie

3. Ausgabe der Sino-Pakistan Serie

Teil I

Teil II

Im zweiten Teil bin ich kurz auf die Tatsache eingegangen, dass die pakistanisch-chinesische Beziehung in erster Linie überhaupt nicht verstanden wird. Nicht nur nicht von Aussenstehenden, auch Pakistan und China, sowohl die Regierungen als auch die Bevölkerung, haben keine klare und kohärente Vorstellung wenn es um diese bilaterale Beziehung geht. Die zunehmende Krise in der US-Pakistan Allianz, von bin Laden’s Exekution in Pakistan durch US SEALS bis zur derzeitigen Auseinandersetzung über das Haqqani Netzwerk, hat auch Pakistan’s Verbindung mit China wieder in den Fokus gerückt. In den USA (und Europa) gefürchtet, in Pakistan selbst immer wieder beschworen, lautet das einfache Szenario, überall wo sich die USA aus einer Kooperation mit Pakistan zurückziehen oder ganz einfach scheitern, übernimmt China dankend. Bei den einen nährt das die zunehmende Besorgnis vor einem rising China, für die anderen ist es die Sicherheit, dass man auch ohne die USA einen starken Partner im Rücken hat – noch dazu einen der keine moralischen Fragen stellt. Während die USA ihr Bündnis mit Pakistan immer mehr vom Untergang bedroht sieht, versucht man zumindest noch vom sinkenden Schiff jeden Bericht gescheiterter chinesischer Vorstösse als Indiz darzustellen, dass China nicht anstelle der USA vor Karachi (Gwadar oder am Kabul Fluss) Anker legen wird. Pakistanische Medien nehmen ähnlich singuläre Vorkomnisse der erfolgreichen Sorte zum Anlass, genau das zu bewiesen.

Sparta’s Angst

Diese Darstellung ist einerseits schon problematisch, weil sie suggeriert, dass Pakistan als Staat in jedem Fall auf amerikanische oder chinesische finanzielle Unterstützung angewiesen ist. Wright und Page verstehen das als given fact:

But China’s response has been lukewarm so far, suggesting that Islamabad may remain dependent on billions of dollars in military and civilian aid from Washington for some time to come.

Auch Rodriguez und Demick in der LATimes sieht die ganze Thematik nur als Rechenbeispiel an:

Analysts say such a move is highly unlikely. With nearly $9 billion in annual trade with Pakistan, China is Islamabad’s biggest trading partner, as well as its leading arms supplier. But it could never replace the billions of dollars in economic and military aid that Pakistan gets from the United States, experts say, as well as billions more in loans from international lenders heavily influenced by the U.S., including the International Monetary Fund and the World Bank.

Ein Grossteil der Investments beider Staaten, ganz besonders von Seiten der USA, kommt in erster Linie der pakistanischen Armee und damit nicht dem Staat oder der Zivilbevölkerung zu Gute – im Gegenteil, die leidet eher unter der zunehmenden Förderung des Militärs. Die Annahme, dass Pakistan seine aussenpolitischen Partner allein über die Buchhaltung entscheidet ist naiv und unterschätzt ideologische und politische Faktoren.

Andererseits ist diese Angst vor der rising power ein altes Phänomen, auf das Aaron L. Friedberg im US-China Kontext eingeht:

As far back as the fifth century BC the great Greek historian Thucydides began his study of the Peloponnesian War with the deceptively simple observation that the war’s deepest, truest cause was “the growth of Athenian power and the fear which this caused in Sparta.”

Pakistan’s Wunschdenken

Dass sich Pakistan womöglich eine ganz andere Beziehung vorstellt als tatsächlich im Entstehen ist und China zulassen wird, beleuchtet Myra Macdonald in der wohl soweit besten Darstellung dieses Themas. Sie argumentiert, dass Pakistan die mögliche Unterstützung von Seiten China’s heillos überschätzt, gleichzeitig aber im Westen die Bedeutung dieser Beziehung unverhältnismässig dargestellt wird:

First of all Pakistan is not the centre of the world even though those of us who cover it tend to think it is. And China is a big country, setting itself on a trajectory to outstrip the United States. It pays far less attention to India than India does to China, let alone becoming as obsessed with Pakistan’s problems as Pakistan is with casting China in the role of saviour.

[…]

The visit by China’s Meng probably told us more than we realise. It did not tell us very much about what China will do – if past history is anything to go by it will do very little and try to keep itself out of the fray. But it did tell us rather a lot about Pakistan – and the likelihood of the country’s civilian and military leaders closing ranks in the face of American pressure.

In den USA und Europa wird zu oft angenommen, dass China’s Rolle in Pakistan ähnlichen Interessen und Motiven folgen müsste wie es die des Westens sind – das ist höchstwahrscheinlich nicht zutreffend. Wie Macdonald anmerkt, wird sich China in politischen täglichen Agenden weitesgehend heraushalten, dagegen sind sie an wirtschaftlichen und ideologischen Verknüpfungen sehr wohl interessiert. Damit ist ihr Intersse an Pakistan genau gegenläufig zu dem des Westens, der Pakistan in erster Linie als gefährlichen geopolitischen Spielball sieht aber relativ wenig Interesse an wirtschaftlichem und kulturellem Austausch zeigt. Dazu noch einmal Friedberg – er versteht es, im Gegensatz zu den meisten Autoren westlicher Artikel zum Thema (der WSJ Artikel bezieht sich auf eine einzige chinesische Quelle, die aus Hongkong kommt und bei einem Think Tank in Kooperation mit einer amerikanischen Uni arbeitet), die chinesische Seite zumindest teilweise zu beleuchten:

As a nation’s capabilities grow, its leaders generally define their interests more expansively and seek a greater degree of influence over what is going on around them. This means that those in ascendance typically attempt not only to secure their borders but also to reach out beyond them, taking steps to ensure access to markets, materials and transportation routes; […]

[…]

Even as it grows stronger and, in certain respects, more self-confident, the CCP continues to dread ideological contamination. Pliant, like-minded states along its borders are far more likely to help Beijing deal with this danger than flourishing liberal democracies with strong ties to the West. The desire to forestall “peaceful evolution” at home gives the regime another compelling reason to want to shape the political development of its neighbors.

Wie so oft wird in dieser Problematik die Stimme einer der wichtigsten Parteien – in dem Fall China – im Westen gar nicht beleuchtet, in erster Linie in Ermangelung der Bereitschaft Chinesisch zu lesen und zu interviewen. Es ist daher nicht sehr überraschend, dass die beiden englischsprachigen Parteien – Pakistan und die USA – planlos Thesen erstellen und von allen drei Stakeholdern am wenigsten abschätzen können wohin sich diese Dreiecksbeziehung entwickeln wird.

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About Jakob Steiner

... lived, worked and studied in Australia, Europe and Asia.

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