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The Other View

“How and why […] can only be a matter of speculation.” – Teil II der Sino-Pak Serie

2. Ausgabe der Sino-Pakistan Serie

Teil I

How and why this nuclear relationship emerged can only be a matter of speculation.” schreibt William Burr in einer Zusammenstellung von deklassifizierten Dokumenten der amerikanischen Regierung und der CIA im National Security Archive. Und während diese Feststellung zwar nur in Zusammenhang mit dem nuklearen Program beider Staaten gefallen ist, kann man sie einfach auf die sino-pakistanische Beziehung in ihrem ganzen (unklaren) Umfang ausdehnen. Burr führt als erstes auch ein Dokument (PDF) an, dass sich mit der sino-pakistanischen Beziehung allgemein, im Lichte amerikanischer Interessen, beschäftigt. Thomas Hughes (State Department) schreibt an WF Raborn (CIA) am 21. Juli 1965:

We recognize, of course, that Pakistan has had more or less valid reasons for taking many of these actions — it’s fear of India, domestic political considerations, a desire to play a large role in Afro-Asia — and do not underestimate their importance. Also there have been a few instances, such as Ayub’s refusal to support China on the Vietnam issue during his Peking visit of March 1965, for which Pakistan deserves credit. On balance however, the record is a disappointing one considering the US investment in Pakistan.”

“Although we do not believe that such an understanding is very formal the Pakistanis have probably been dealing with China behind our backs.”

Aktuelle Depeschen zu diesem Thema (die man durch Wikileaks wohl schon eher als erst nach 2050 einsehen wird) sehen wohl nicht grundlegend anders aus. War es damals Pakistan’s Haltung gegenüber China zu Vietnam und sein Atomprogramm, sind es heute meist wirtschaftliche Fragen – Gwadar, Indus und der KKH – wie auch militärische Kooperation und die gemeinsamen Interessen im GWOT. Allein seine Grenzkonflikte mit Indien und China’s Rolle darin sind geblieben. Hughes merkt an, dass Pakistan den Konflikt um den Rann of Kutch wohl mit indirekter amerikanischer Unterstützung gefuehrt hat, ähnlich dem heutigen Vorwurf, dass Pakistan US-Militärhilfe gegen Indien einsetzt.

China’s biggest investments in Pakistan (from FT)

Die Narrative, die den meisten Artikeln zur Dreiecksbeziehung USA-Pakistan-China zu Grunde liegt, ist die Sorge, dass China eine auseinanderbröckelnde US-Pakistan Beziehung nutzt, bzw. Pakistan nicht allein auf die USA angewiesen ist. Nur scheint niemand wirklich zu wissen wie die chinesisch-pakistanische wirklich aussieht und wie bedeutend sie ist – wahrscheinlich wissen es die beiden Seiten selbst nicht genau.

Die Andeutung, China und Pakistan seien gerade dabei eine Beziehung aufzubauen (wie der z.B. der Titel “An Alliance is being built” des FT Artikels suggeriert) ist in jedem Fall naiv und zeigt wie wenig sich auch die Medien mit dieser Beziehung seit den 60er Jahren beschäftigt haben – die Allianz besteht schon längst auf viel mehr Schichten als eine US-Pakistanische Beziehung. Der Austausch von Studenten wie auch Arbeitskräften findet in beide Richtungen statt – Pakistanis studieren in China von Xinjiang bis Dalian in allen moeglichen Provinzen und decken damit China im Gegensatz zum Westen in seiner ganzen Breite ab, das gleiche gilt umgekehrt. Während für den Westen oft Pakistan=Islamabad/Karachi und China=Beijing/Shanghai gilt, fusst sie sino-pakistanische Beziehung hier auf einem besseren Verständnis.

Auch so waghalsige Artikel wie der von Selig Harrison, zur chinesischen Infiltration von Gilgit-Baltistan basieren allein auf dem Wunsch Aufmerksamkeit im heiteren Ratespiel zu erhaschen und nie auf on-the-ground Recherche an beiden Enden. Dementsprechend sind Artikel zu diesem Thema auch immer in Washington, Abu Dhabi oder Dehli geschrieben, in sicherer Distanz zur Thematik. Auch lassen sich so einfach Intentionen beider Seiten hineininterpretieren, deren sich diese selbst wohl gar nicht bewusst sind. China führt seine Aussenpolitik ideologisch auf ganz anderen Vorstellungen als die USA und Pakistan ist wohl in erster Linie um eine gute Beziehung zu beiden Seiten bemüht und versucht nicht in erster Linie den einen gegen den anderen auszuspielen (auch wenn die kindische Rhetorik von Mukhtar und Malik oft in diese Richtung zeigen).

Um die pakistanisch-chinesischen Beziehungen wirklich realistisch einzuschätzen, braucht es in erster Linie einmal realistische Berichterstattung zu beiden Entitäteten unabhängig von ihrer Verbindung. Erst dann wird es auch für amerikanisches und europäisches Publikum möglich Intentionen abzuschätzen. Nur ist man da auf beiden Seiten noch sehr weit entfernt. Ich werde darauf 2050 zurückkommen.

P.S.: Eine etwas seltsame Meldung, aber sie passt ganz gut zu diesem Thema: “magnanimously pardoned the driver in the name of the friendship between the two countries”

About Jakob Steiner

... lived, worked and studied in Australia, Europe and Asia.

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