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The Other View

jaane kyun . aus Pakistan nach Österreich

Folgende Ausführungen basieren auf Interviews mit pakistanischen Asylwerbern in Österreich (Servitenkloster Wien) und 7 Jahren Arbeit in Pakistan. Es handelt sich dabei nur um eine kurze Zusammenfassung, weitere Details zur derzeit laufenden Forschung in diese Richtung können über die Kontakt Seite erfragt werden.

Angesichts der abermals medialen Präsenz pakistanischer Asylwerber in Österreich, folgend ein paar Ausführungen zu möglichen Beweggründen. Wie in Abbildung 1 ersichtlich sind die Zahlen pakistanischer Asylwerber in den letzten Jahren stark gestiegen. Dabei ist aber die Anzahl positiver Bescheide im Vergleich zu Afghanistan, dem Nachbarland das in den selben Krieg verwickelt ist, konstant niedrig geblieben. Abgesehen von der generell unzureichend ausgearbeiteten Asylpolitik in Österreich, stellt sich die Frage, inwieweit diese Diskrepanz gerechtfertigt ist.

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Abbildung 1: Statistiken zu Asylwerbern aus Pakistan und Afghanistan nach Österreich.

Dazu ein paar grundlegende Betrachtungen zum Ursprungsland. Die grösste Bevölkerungsdichte in Pakistan findet sich in den urbanen Räumen (vor allem Karachi, Lahore und weitere Städte im Punjab) sowie im ruralen Punjab. Hier lebt auch ein Grossteil der Mittel – und Oberschicht. Starke Armut fidnet sich dagegen vor allem in Balochistan, im ruralen Sindh der Khyber Pakhtunkhwa. Dadruch kommt es, typisch für eine Entwicklungsland, zu starken Migrationsströmen in reichere Städte (Abbildung 2). Siehe dazu auch die Statistiken zu Migration innerhalb Pakistans.

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Abbildung 2: Die grösste Bevölkerungsdichte im Land findet sich im Punjab und in Karachi.

Der Krieg in Pakistan findet auf einer Vielzahl Ebenen statt. Einerseits findet der derzeitige Afghanistan Krieg zu einem beträchtlichem Teil in Pakistan statt (FATA und Khyber Pakhtunkhwa, oberstes Fünfeck in Abbildung 3). Siehe dazu auch die Auswertung von monatlichen Statistiken aus den letzten 4 Jahren. Dazu kommt ein inter-religiöser Konflikt in Quetta (Shia-Sunni) und ein separater Krieg in Balochistan zwischen Separatisten und der Zentralregierung in dem es um mehr Selbstbestimmungsrechte geht. Im Punjab kommt es selten zu kriegerischen Auseinandersetzungen, allerdings haben hier viele Organisationen die in den unzähligen Konflikten eine Rolle spielen ihre Hauptsitze. Dies gilt sowohl für sunnitische wie auch schiitische Extremisten, wie auch die pakistanischen Taliban, Gruppierungen die im Kashmir kämpfen und die pakistanische Armee und Geheimdienst. In Karachi findet schlussendlich ein urban war statt, der sich um Einfluss in der Stadt dreht, aber auch von Konflikten in anderen Teilen des Landes beeinflusst wird (Abbildung 3).

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Abbildung 3: Kriege finden in Pakistan an verschiedenen Fronten statt.

Flüchtlinge aus Pakistan kommen aus Regionen die in Abbildung 4 mit einem X bezeichnet sind. Dabei fliehen Menschen aus der Region um Quetta (in erster Linie ethnische Hazara) nach Australien, Menschen aus anderen Regionen kommen nach Europa. Alle Asylwerber mit denen in Österreich Interviews geführt wurden kommen aus diesen Regionen. Es handelt sich dabei in erster Linie um Männer aus der unteren bis oberen Mittelklasse, die sich die Schlepperkosten von derzeit 8000 Euro (direkt Route mit LKW bzw. im Idealfall Flug) bis zu 30 000 Euro (Schleppung von Gernze zu Grenze) irgendwie leisten können. So gut wie alle werden finanziell von zu Hause unterstützt, d.h. ihre erste Intention ist nicht hier Geld zu verdienen und dieses nach Hause zu schicken.

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Abbildung 4: Asylwerber aus Pakistan in Europa kommen in erster Linie aus der Khyber Pakhtunkhwa, dem Punjab und dem Kashmir.

Pakistanische Asylwerber nach Pakistan sind in erster Linie junge Männer (weitaus mehr als im Vergleich zu Afghanistan) weil gerade diese sowohl von den Taliban als auch dem pakistanischen Geheimdienst als Ziel angesehen werden bzw. in anderen Konflikten direkt beteiligt sind. Männer aus dem Kashmir werden oft vom Geheimdienst verfolgt, Männer aus der KP oder dem Punjab von Taliban oder sind Opfer interreligiöser Konflikte in denen es oft um Einfluss und Landbesitz geht. Menschen aus Regionen aus denen eine Flucht aus wirtschaftlichen Gründen Sinn machen würde (Sindh, Balochistan, rurales KP) kommen kaum bis nach Europa. Sie bewegen sich innerhalb Pakistans oder temporär in die Golfstaaten.

Weitere Literatur um Migration aus Pakistan zu verstehen:

Das Konzept des Reisens/offene Grenzen – Marsden, Hopkins

Why Migrant Smuggling Pays – K. Khoser

About Jakob Steiner

... lived, worked and studied in Australia, Europe and Asia.

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